Narratives Management in Konfliktdynamiken

Ghana Day3 26

Frieden durch Dialog fördern

Nachhaltige Entwicklung braucht den Kontext von Sicherheit und Stabilität.
Sie können das eine nicht ohne das andere haben.

Leitbild Project Lighthouse Africa

„Narrative Management“: Ein Ansatz zur Stärkung gesellschaftlicher Kommunikationsstrukturen zur Friedensförderung

Unter dem Hashtag #AllEyesOnISIS bereitete die „Social Media Division“ des IS den Angriff auf die irakische Metropole Mossul im Juni 2014 vor, verstärkt durch eine Armee von Twitter-Bots. Die schrecklichen Foltervideos, die unter diesem Hashtag veröffentlicht wurden, gingen viral und füllten die Bildschirme von Millionen von Nutzern, einschließlich derer von Mossuls Verteidigern. Damit erfüllten sie ihren Zweck: #AllEyesOnISIS wirkte wie ein unsichtbarer Artilleriebeschuss, in dessen Folge 1500 IS-Kämpfer 60.000 irakische Polizisten und Soldaten ohne Schuss aus der Stadt vertreiben konnten. Ähnliches scheint sich im Herbst 2021 in Afghanistan ereignet zu haben.

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, die zeigen, wie effektiv Extremisten in allen Teilen der Welt soziale Medien nutzen und Kommunikationsstrategien ausarbeiten. Gerade in der derzeit umkämpften Sahelzone werden solche Strategien eingesetzt, um Länder und Regionen zu destabilisieren. Dazu werden sogenannte Narrative verbreitet, in denen Desinformation, Hass und Propaganda zu Narrativen kombiniert werden, die an bestehende Ängste, Vorurteile und Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung appellieren. Dadurch wird das Vertrauen in Institutionen und Mitbürger beschädigt und Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen geschürt.

Group Picture Workshop

Diesen Entwicklungen möglichst frühzeitig entgegenzuwirken, ist der aktuelle Ansatz des Projekts „Narrative Management“, das derzeit in Ghana und Gambia verfolgt wird (siehe Hintergrund ) in Westafrika unter der Leitung der Hanns-Seidel-Stiftung mit Partnern wie der Freien Universität Berlin und Project Lighthouse Africa eVVideo | Film

Erstens konzentriert sich dieses Projekt darauf, die Kommunikation zwischen Bürgern und anderen relevanten Akteuren in gefährdeten Regionen zu verstehen und zu stärken: Nach einer wissenschaftlichen Datenerhebung wird ein Trainingskonzept entwickelt und umgesetzt, das es Journalisten, Bürgern und anderen relevanten Akteuren ermöglicht, Propaganda und Desinformation selbst zu erkennen und in ihren persönlichen Kommunikationsnetzen verlässliche Informationen zu finden und zu verbreiten.

Ghana Day1 122

Der zweite Schwerpunkt besteht darin, möglichst viele Akteure in die internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur einzubinden, um sie für diese besonders relevante Kommunikationsdimension zu sensibilisieren , in die Projektaktivitäten einzubeziehen und zu verhindern, dass Projekte gegenläufig oder dupliziert werden.

Ziel des zunächst auf drei Jahre angelegten Projekts ist es, Journalisten, Bürger, staatliche und nichtstaatliche Akteure in ausgewählten Projektgemeinschaften sowie internationalen Entwicklungs- und Sicherheitsinstitutionen im Umgang mit Desinformation, Hass Sprache und Propaganda zu verbessern und die betroffenen Regionen widerstandsfähiger gegen Destabilisierung zu machen und so die Sicherheitslage zu verbessern.

Es ist geplant, das Projekt über die beiden aktuellen Projektregionen Nordghana und Gambia hinaus auszuweiten und weitere Länder und relevante Akteure einzubeziehen.
Anpfiff war im September/Oktober 2021. Kommt einfach vorbei, wir teilen weiter. Schnappschüsse und Hintergrundinformationen zu dieser ganz besonderen Freude, Menschen zusammenzubringen. Gemeinsam lehren, studieren und die Barriere gegen das Böse in dieser Welt stärken.



Background

Die Stabilität in der nördlichen Region Ghanas wird durch die volatile und sich verschlechternde Sicherheitslage in der Sahelzone beeinträchtigt. Die Situation ist gekennzeichnet durch ein erhebliches Spill-over der Aktivitäten und des Einflusses gewaltbereiter extremistischer Organisationen (VEO) aus Burkina Faso auf alle Nachbarländer einschließlich Ghana, insbesondere in den ländlichen Gebieten im Norden von Tamale (ELVA Spill-over Report 2021). In anderen westafrikanischen Ländern ist der Kontext anders, aber die Herausforderungen des Einflusses von VEO sind ähnlich. Gambia, ganz im Westen des Kontinents, hat keine direkte Grenze zu den Sahel-Staaten, ist aber ein weniger stabiles demokratisches System. Gambia hat eine große Diaspora in Europa und erlebt zunehmend extremistische und dschihadistische Aktivitäten und wird daher als zweites Land für die Intervention dieses Projekts dienen, um die Stabilität der geplanten Aktion unter verschiedenen äußeren Bedingungen zu beweisen.

Die größte Herausforderung in den beiden Ländern besteht darin, dass ihre Anfälligkeit in Bezug auf den Klimawandel, die Verzögerung der sozioökonomischen Entwicklung, die hohe Jugendarbeitslosigkeit und ineffiziente Governance-Strukturen von VEOs ausgenutzt wird. Eine ihrer Kernstrategien besteht darin, Länder zu destabilisieren, indem sie Narrative verbreitet, die auf Fake News, Desinformation und Hassreden basieren. Dies schadet dem allgemeinen und institutionellen Vertrauen in die jeweiligen Länder und lokalen Gemeinschaften und zerstört den sozialen Zusammenhalt. Für internationale politische Akteure ist es besonders schwierig, effektiv und kohärent zu reagieren (Common Effort Workshop 2021) aufgrund eines gravierenden Mangels an Wissen über Kommunikationsnetze, Informationsfluss und Fähigkeiten zum Umgang mit Desinformation sowie an geeigneten Mitteln zur effektiver Bekämpfung islamistischer Propagandanarrative.

Narrative Management by PLA ed

Das Projekt wird diese Herausforderungen unter dem Begriff „Narrative Management“ angehen, indem es ein vertrauenswürdiges Netzwerk wichtiger Interessengruppen aufbaut, ein System der vertrauenswürdigen Informationssammlung und -verteilung in lokaler Eigenverantwortung und in enger Zusammenarbeit mit internationalen Akteuren entwickelt, um die Widerstandsfähigkeit der Region gegen Destabilisierungsversuche von VEOs. Das System wird in Zusammenarbeit von europäischen und ghanaischen/gambischen Experten aufgebaut, einschließlich Trainingsworkshops, eines Train-the-Trainer-Programms, Bürgertrainings und Bildungsprogrammen und der kooperativen Entwicklung eines robusten Informationszentrums, das von lokalen Akteuren unterhalten wird. Ein gut etabliertes und vertrauenswürdiges Netzwerk wichtiger Interessengruppen im Nexus Entwicklung und Sicherheit – Kommunikation – Perspektivenentwicklung wird das Fundament und die Klammer des narrativen Managementansatzes sein. Vorbild für dieses Netzwerk ist die Common Effort Community, die 2010 von 1 (deutsch-niederländischem) Korps gegründet wurde und derzeit mehr als 60 zivile, militärische, staatliche und nichtstaatliche Organisationen umfasst, hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden mit dem Schwerpunkt zivile -militärische Zusammenarbeit.

Der Begriff „narratives Management“ wurde im Bereich der Organisations-/Unternehmenskommunikation geprägt, wo Erzählungen oder „Storytelling“ verwendet werden, um das Wissensmanagement in komplexen Umgebungen zu verbessern. In der Kommunikationspraxis ist sie am relevantesten im Kontext der Krisenkommunikation, da Krisen oft durch ein Auseinanderfallen eines starken Informationsbedarfs einerseits und der Verfügbarkeit nur mehrdeutiger, unvollständiger und (z. B. durch Propaganda von Gegnern) umstrittener Informationen gekennzeichnet sind auf der anderen Seite.

In unserem Ansatz wird „narratives Management“ als Konzept verwendet, um Gemeinschaften und Interessengruppen zu ermöglichen, a) Informationen und Quellen hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit zu bewerten und zu bewerten (z. B. islamische Propagandanarrative besser verstehen), um b) selbst kontextualisierte Informationen zu produzieren und diese Narrative – Informationen, die mit relevantem Kontext angereichert sind, um die Kerninformationen für die Empfänger besser verständlich und zugänglich zu machen – unter ihren Peer-Gruppen zu teilen, c) Aktivitäten auf der Grundlage zuverlässiger Informationen koordinieren und d) um die Widerstandsfähigkeit gegen Fake News, Hassreden und Propaganda zu erhöhen.

Daher zielt Narrative Management darauf ab, ein vertrauensvolles Informationsumfeld im Eigentum der lokalen Bevölkerung zu entwickeln, das relevante Informationen besser zugänglich macht und eine Grundlage für eine partizipative Friedensförderung und Entwicklung in der Region bildet. Es ist kein Werkzeug zur Propaganda oder zur illegitimen Beeinflussung von Menschen.